Abu Simbel

Abu Simbel

Abu Simbel und die majestätischen Felsentempel des Ramses II

Die beiden geheimnisvollen Felsentempel von Abu Simbel zählen zu den herausragendsten Bauwerken aus der Ära der Pharaonen. In Ägypten gibt es viele Felstempel, aber keiner ist so imposant und gewaltig wie jene in Abu Simbel. Schon aus der Ferne erkennt man die thronenden Riesenstatuen des Pharaos Ramses, der vor über dreitausend Jahren diese Tempel aus dem Fels meißeln ließ.

Abu Simbel befindet sich etwa 280 Kilometer südlich von Assuan in der Region Nubien. Hier lebten einst die Nubier, ein Volk mit dunkler Hautfarbe und einer Sprache, die nicht mit dem Ägyptischen verwandt ist. Nubier und Ägypter teilten viele Jahrtausende als Nachbarn, durchlebten friedliche Epochen sowie kriegerische Zeiten. Die Errichtung der großen Tempel von Abu Simbel vor 3.200 Jahren erfolgte zu einer Zeit, als Nubien ein Teil Ägyptens war.

Die Ägypter herrschten über das Land, und die Nubier mussten ihren ägyptischen Herren Tribut zollen, Abgaben entrichten und den ägyptischen Göttern Opfer darbringen. Abu Simbel war somit nicht nur ein Heiligtum, sondern auch ein Symbol ägyptischer Macht in einem fremden Territorium.

Der große Tempel war den Hauptgöttern des ägyptischen Reiches gewidmet: dem Gott Ptah von Memphis, dem Gott Amun-Re von Theben und dem Gott Re-Harachte von Heliopolis. Der kleinere der beiden Tempel war der Königin Nefertari gewidmet, der Gemahlin von Ramses dem Großen.

Wann wurde Abu Simbel endeckt?

Die Entdeckung von Abu Simbel war ein langer Prozess, da der Tempel weit im Süden des Landes vergessen lag. Halb vom Sand verschüttet, betrat jahrhundertelang kein Europäer das Gelände. Im Jahr 1813 erreichte der schweizerische Abenteurer Johann Ludwig Burckhardt die verlassene Gegend unter dem Namen Scheich Ibrahim. Nach mehrjährigen Reisen durch den Orient und Nordafrika entdeckte er diesen Tempel. In der Folge kamen immer mehr Reisende, und Archäologen gruben den halbverschütteten Tempel vollständig aus. Die Inschriften und Wandbilder wurden erforscht, und heute ist Abu Simbel ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt, anerkannt als Weltkulturerbe aufgrund seiner Einzigartigkeit.

Warum wurde der Tempel von Abu Simbel versetzt?

Die Versetzung der Tempel wurde notwendig, als der Assuan-Hochdamm errichtet wurde und festgestellt wurde, dass die Tempel im entstehenden Stausee versinken würden. Dennoch war niemand bereit, dieses einzigartige Kulturwunder aufzugeben. Ingenieure weltweit grübelten über Möglichkeiten, die Tempel zu retten. Schließlich wurde der Tempel von einer deutschen Baufirma vorsichtig in tausende Blöcke zerlegt, die dann an einer höheren Stelle wieder zusammengesetzt wurden. Diese Blöcke waren teilweise riesig und wogen viele Tonnen.

Um die Baumaschinen, Ingenieure und zahlreichen Arbeiter zu bezahlen, stellte die Weltkulturorganisation UNESCO beträchtliche Gelder zur Verfügung. Menschen weltweit spendeten zusätzlich Geld, um das Projekt zu finanzieren. Auf diese Weise wurden die beiden Tempel von Abu Simbel versetzt. Wenn man heute den Tempel besichtigt, befindet er sich nicht mehr an seinem ursprünglichen Ort, sondern an einer höheren Stelle oberhalb des Sees. Vom Vorplatz der Tempelanlage aus bietet sich heute eine herrliche Aussicht auf den großen Stausee.

Die großen Statuen vom Pharao

Pharao in Abu SimbelDer große Felsentempel von Abu Simbel beeindruckt mit seinen vier riesigen Sitzstatuen des Pharaos, jede davon ist 20 Meter hoch. Eine Statue war bereits in der Antike durch ein Erdbeben stark beschädigt worden. Die Figuren blicken in Richtung Osten, dem Ort, an dem die Sonne aufgeht. Reliefbilder von Nilgöttern und Gefangenen sind an den Sockeln der Throne eingemeißelt. Im Inneren des Tempels erwartet die Besucher eine große Halle mit acht Pfeilern des Totengottes Osiris. Schwebende Geier sind an der Decke gemalt.

Was zeigen die Wandbilder im Tempel?

Die Wandbilder in den Seitenflügeln hinter den Pfeilern erzählen von den zahlreichen Kriegen und Schlachten, die der Pharao Ramses geführt hat – gegen die Libyer, Nubier, Syrer und Hethiter. Die Hethiter waren ein Volk, das damals auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebte und eine starke Streitmacht hatte. Ramses und der Hethiterkönig lieferten sich bei der syrischen Stadt Kadesch eine große Schlacht, die unentschieden endete. Doch im Tempel von Abu Simbel wird von einem bedeutenden Sieg berichtet.

Von der großen Halle zweigen mehrere kleine Kammern ab, die als Magazinräume dienten, um Opfergaben zu lagern. Am Ende des zentralen Ganges befindet sich das Allerheiligste, mit vier Sitzfiguren der verehrten Götter und des Pharaos – Ptah, Amun-Re, Ramses und Re-Hararachte.

Zweimal im Jahr, am 21. Februar und am 21. Oktober, dringt die Morgensonne direkt bis ins Allerheiligste und beleuchtet die Figuren.

Der kleine Tempel von der Königin Nefertari

Der kleine Tempel, etwas kleiner als der Haupttempel, ist der Felsentempel der Königin Nefertari. An der Front des Tempels stehen sechs Figuren, aus dem Fels gemeißelt und 10 Meter hoch. Vier davon repräsentieren Pharao Ramses, und zwei zeigen die Königin mit dem Kopfschmuck der Göttin Hathor. Die kleinen Figuren zwischen den großen stellen die Kinder der königlichen Familie dar.

Durch den Eingang gelangt man in eine Halle mit sechs Pfeilern, deren Wandbilder religiöse Motive zeigen. Im Allerheiligsten sind die Überreste der stark zerstörten Figur einer Kuh zu sehen, die die Göttin Hathor symbolisiert. Unter ihrem Kinn befindet sich eine Figur des Königs. Die Göttin steht somit für den Schutz des Königtums. Mehr zur Geschichte im Ägyptischen Museum in Kairo.